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Elbsandsteingebirge

Sehenswürdigkeiten im Elbsandsteingebirge

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten im Elbsandsteingebirge: Bastei, Königstein und die Tafelberge

Sandstein-Tafelberge am Horizont über abgeernteten Feldern
Die Sandstein-Tafelberge prägen den Horizont

Die Dichte an markanten Zielen ist hoch, und fast alle lassen sich mit dem Motorrad ansteuern – die letzten Meter zu den Felsen führen allerdings überall zu Fuß über Wanderwege. Das bestimmt den Tagesablauf: fahren, abstellen, aufsteigen, zurück. Zum Parken: An den großen Zielen sind die Flächen fast durchweg gebührenpflichtig und an Wochenenden früh voll.

Bastei und Basteibrücke

Die Bastei ist der berühmteste Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz. Die Felsen erheben sich rund 194 Meter über dem Elbspiegel. Die heutige Basteibrücke aus Sandstein wurde 1851 errichtet, ist etwa 76,5 Meter lang und überspannt mit sieben Bögen die tiefe Schlucht der „Mardertelle". Die Brücke ist ganzjährig kostenlos begehbar. Anfahrt über Lohmen; auf der Höhe gibt es einen basteinahen, gebührenpflichtigen Parkplatz direkt an der Brücke sowie einen günstigeren Auffangparkplatz an der Erlebniswelt SteinReich bei Hohnstein, rund drei Kilometer entfernt, mit Bus-Shuttle. Der Andrang verteilt sich ungleich über den Tag: Am frühen Morgen und gegen Abend ist es an der Brücke deutlich ruhiger als mittags.

Festung Königstein

Die Festung Königstein thront auf einem gleichnamigen Tafelberg am linken Elbufer oberhalb der Stadt Königstein. Das rund 9,5 Hektar große Felsplateau erhebt sich etwa 240 Meter über die Elbe, der höchste Punkt liegt bei rund 361 Metern. Die Festung ist eine der größten Bergfestungen Europas und gut mit dem Motorrad erreichbar. Anfahrt über die A17, Ausfahrt Pirna, dann B172. Geöffnet ist in der Sommersaison (Ende März bis Anfang November) täglich von 9 bis 18 Uhr, im Winter bis 17 Uhr; der Eintritt liegt im Sommer bei 17 Euro für Erwachsene. Hinauf führt ein Panoramaaufzug, der bis zu 18 Personen rund 42 Meter aufwärts befördert. Praktisch für Biker: Das Parkhaus „Königstein am Malerweg" an der B172 nimmt ausdrücklich auch Motorräder auf, mit Schließfächern für Helm und Kombi; vom Parkhaus sind es rund 650 Meter zu Fuß oder per Festungsexpress hinauf.

Schrammsteine

Östlich von Bad Schandau ziehen sich die zerklüfteten Schrammsteine als langer Felskamm hin. Die vielbesuchte Schrammsteinaussicht liegt auf etwa 417 Metern, der höchste Punkt, der Hohe Torstein, erreicht rund 425 Meter. Der Blick reicht über das Elbtal bis zu Lilienstein, Affensteinen und Winterberg. Ausgangspunkt ist meist Bad Schandau Richtung Ostrau: Kurz nach der Gaststätte Schrammsteinbaude gibt es einen kostenlosen Parkplatz, dazu zwei gebührenpflichtige Parkplätze vor dem Ortseingang Ostrau. Der Aufstieg über den Wildschützensteig mit Felsspalten, Eisenleitern und schmalen Stegen ist anspruchsvoll und führt nur zu Fuß hinauf.

Kuhstall

Der Kuhstall auf dem Neuen Wildenstein oberhalb des Kirnitzschtals ist das zweitgrößte natürliche Felsentor des Elbsandsteingebirges nach dem Prebischtor – etwa 11 Meter hoch, 17 Meter breit und 24 Meter tief. Durch eine Felsspalte führt die schmale Stahltreppe Himmelsleiter zu einer kleinen Aussicht. Auf rund 337 Metern Höhe finden sich Spuren der einstigen Raubritterburg Neuer Wildenstein, und ein Berggasthaus bewirtet seit 1824. Anfahrt über die Kirnitzschtalstraße bis zum Lichtenhainer Wasserfall, von dort rund eine halbe Stunde zu Fuß.

Lilienstein

Der Lilienstein ist mit rund 415 Metern der einzige rechtselbische Tafelberg der Sächsischen Schweiz und das Wahrzeichen des Nationalparks. August der Starke ließ 1708 einen Aufstieg anlegen; ein Obelisk auf dem Gipfel erinnert an den königlichen Besuch. Die Elbe schlingt sich in einer fast geschlossenen Schleife um den Berg. Der Auf- und Abstieg dauert zu Fuß rund zwei Stunden; auf dem Plateau bewirtet eine Bergwirtschaft, die per Materialseilbahn versorgt wird.

Bad Schandau und Kirnitzschtalbahn

Bad Schandau ist die größte direkt an der Elbe gelegene Stadt der Sächsischen Schweiz und ein guter Standort. Von hier verkehrt seit 1898 die meterspurige Kirnitzschtalbahn rund acht Kilometer ins Tal bis zum Lichtenhainer Wasserfall – die einzige Straßenbahn der Welt, die in einen Nationalpark hineinfährt. In der Sommersaison (Ende März bis Anfang November) fährt sie täglich im Halbstundentakt, im Winter seltener. Ebenfalls in Bad Schandau steht der historische Personenaufzug, ein Jugendstil-Stahlturm von 1905 mit rund 50 Metern Höhe, der zur Aussicht auf der Ostrauer Scheibe führt.

Pfaffenstein

Der Pfaffenstein bei Königstein gilt als „Sächsische Schweiz im Kleinen", weil er auf engem Raum viele Felsformen der Region vereint; sein Plateau liegt bei rund 434 Metern, ein Aussichtsturm aus Stein stammt von 1904. An seinem Rand steht die Barbarine, eine freistehende Felsnadel von rund 43 Metern Höhe – die höchste freistehende Felsnadel der Sächsischen Schweiz und seit 1978 Naturdenkmal; das Beklettern ist seit 1975 zum Erosionsschutz gesperrt. Parkmöglichkeiten gibt es im Ort Pfaffendorf, der Aufstieg dauert je nach Route 15 bis 35 Minuten zu Fuß.

Grenznah: Prebischtor (Pravčická brána)

Nur wenige Kilometer hinter der Grenze, etwa drei Kilometer nordöstlich von Hřensko, liegt das Prebischtor (tschechisch Pravčická brána), das größte natürliche Sandstein-Felsentor Europas – mit einer Spannweite von rund 26,5 Metern und einer lichten Höhe von etwa 16 Metern. Aus Erosionsschutzgründen ist das Tor selbst seit 1980 nicht mehr begehbar; bestaunen lässt es sich von den Aussichtsfelsen oberhalb des historischen Restaurants Sokolí hnízdo („Falkennest", von 1881) sowie von unten. Das Areal ist täglich von etwa 9 bis 18 Uhr geöffnet und kostet Eintritt; geparkt wird kostenpflichtig im Ort Hřensko. Der Zustieg führt zu Fuß über einen markierten Weg ab Hřensko. Eine lohnende Ergänzung für eine grenzüberschreitende Tagestour.

Kultur & Sagen

Sagen im Elbsandstein: Raubritter, die versteinerte Barbarine und Berggeister

Das Elbsandsteingebirge ist reich an Erzählungen von Raubrittern, Berggeistern und versteinerten Menschen. Vieles davon ist Volksgut, das über Generationen weitergegeben wurde. Das Folgende steht deshalb als Sage da, nicht als Tatsachenbericht.

Motorräder am Straßenrand, dahinter ein bewaldetes Sandstein-Plateau
Rast unterhalb der Felsplateaus

Schon der Name der Bastei verweist auf Wehrhaftes: Er steht für Bollwerk, Verschanzung und Wall und ist mit dem französischen „Bastille" verwandt. Neben der Brücke liegen die Reste der Felsenburg Neurathen, die im 13. und 14. Jahrhundert in die Felsen gebaut wurde. Der Sage nach sollen in diesen Felsnestern einst Raubritter gehaust haben, die von den uneinnehmbaren Höhen aus die Handelswege im Elbtal überfielen. Viele der bizarren Sandsteintürme tragen sprechende Namen wie die Lokomotive, der Bienenkorb oder die Gansfelsen – Formen, in die das Volk Gestalten hineindeutete.

Die bekannteste Versteinerungssage rankt sich um die Barbarine am Pfaffenstein. Der Sage nach ging ein Mädchen namens Barbara an einem Sonntag nicht zur Kirche, sondern in den Wald, um Heidelbeeren zu pflücken. Die fromme Mutter folgte ihr und verfluchte die Tochter wegen des versäumten Gottesdienstes – worauf Barbara zu Stein erstarrte. Die schlanke Felsnadel gilt seither als die versteinerte Maid und trägt ihren Namen.

Auch der Kuhstall trägt eine Geschichte in sich: Sein Name soll aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammen, als die Bauern der Sage nach ihr Vieh in dem riesigen Felsentor vor plündernden Soldaten versteckten. Die zugehörige Burg Neuer Wildenstein wird mit Raubrittern des 15. Jahrhunderts in Verbindung gebracht.

Weite Wiesenlandschaft mit einzelnem Motorrad auf der Straße
Weite Wiesen zwischen den Felsgebieten

Über das gesamte Gebirge ziehen sich Erzählungen von Berggeistern, Zwergen und Kobolden, die in Felsspalten und unter Baumwurzeln verborgene Schätze hüten sollen. Sagen von verwunschenen Orten und verborgenem Gold gehören zum festen Bestand der regionalen Überlieferung – entstanden sind sie in denselben schattigen Schluchten, durch die heute die Talstraßen führen.

Sehenswert

Festungen, Fels & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Wenn der Himmel zumacht, füllen die überdachten Ziele der Region einen ganzen Tag. Die folgenden Adressen decken Festungsbau, Klettergeschichte, Technik und Stadtkultur ab.

Festung Königstein als Museum

Die Festung Königstein ist der wetterunabhängige Klassiker. Seit ihrer ersten Erwähnung 1241 war sie Kloster, Jagdschloss, Staatsgefängnis und Kriegsgefangenenlager; 1955 wurde sie als Museum geöffnet. In der Dauerausstellung „In lapide regis" wird die Geschichte der Anlage in 33 Räumen erzählt. Auf dem weitläufigen Plateau lassen sich Kasematten, der über 152 Meter tiefe Brunnen und historische Gebäude auch bei Regen unter Dach erkunden – genug Programm für einen kompletten verregneten Tourtag.

Sächsisches Klettern und Felsgeschichte

Das Elbsandsteingebirge ist die Wiege des Sächsischen Kletterns, einer eigenen, traditionsreichen Spielart des Freikletterns mit strengen Regeln zum Schutz des weichen Sandsteins – etwa dem Verzicht auf Magnesia und mechanische Klemmkeile. Erste seilmäßige Besteigungen der markanten Türme reichen bis in die Zeit um 1900 zurück. Die unzähligen freistehenden Felsnadeln mit ihren bis heute eigenwilligen Gipfelnamen prägen das Bild der Region. Für eine Regenstunde ist das die aufschlussreichere Geschichte der Region: Sie erklärt, warum an diesen Türmen bis heute anders geklettert wird als an jedem anderen deutschen Fels.

Kirnitzschtalbahn und Felsenburg Neurathen

Die Kirnitzschtalbahn ist bei Regen sogar die bessere Variante als das eigene Motorrad: An ausgewählten Tagen laufen historische Museumswagen aus den 1920er- und 1930er-Jahren, und die Fahrt durch das enge, von Felswänden gesäumte Tal ist im Grau eindrucksvoller als in der Sonne. Die Felsenburg Neurathen an der Bastei zeigt mit erhaltenen Resten, Wehrgängen und ausgehauenen Kammern, wie eine Burg direkt in den Sandstein hineingebaut wurde – im Regen zwar unter freiem Himmel, aber deutlich leerer als sonst.

Museen in Pirna und Bad Schandau

Pirna, „das Tor zur Sächsischen Schweiz", lohnt sich besonders bei schlechtem Wetter: die spätgotische Marienkirche (erbaut 1502–1546), das Canalettohaus am Markt – benannt nach dem berühmten Marktplatz-Gemälde des venezianischen Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, von 1753 – und die verwinkelte Altstadt mit Erkern, Giebeln und Portalen. Im Canalettohaus residiert heute der TouristService Pirna. In Bad Schandau ergänzen kleinere Museen und der historische Personenaufzug das überdachte Angebot. Beide Städte lassen sich gut mit dem Motorrad anfahren und bieten überdachte Parkmöglichkeiten in der Nähe.

Sehenswert

Naturstopps zwischen Nationalpark, Tafelbergen und Kirnitzschtal

Den Rahmen für alles bildet der Nationalpark Sächsische Schweiz, der 1990 ausgewiesen wurde und auf tschechischer Seite seine Fortsetzung im Nationalpark Böhmische Schweiz (České Švýcarsko) findet. Geschützt ist eine der eindrucksvollsten Felslandschaften Mitteleuropas: über Jahrmillionen vom Wasser herausmodellierte Sandsteintürme, tiefe Schluchten, Tafelberge und das eingeschnittene Elbtal.

Wer Pausen einlegen will, findet entlang der Strecken zahlreiche Punkte, an denen sich ein Stopp lohnt. Das Kirnitzschtal mit seinem kühlen, schattigen Waldklima ist an heißen Sommertagen eine Wohltat; an den Ausflugsgaststätten lässt sich gut rasten. Die großen Aussichtspunkte – die Bastei, die Schrammsteinaussicht und der Gipfel des Lilienstein – sind die lohnendsten Ziele für einen Panoramablick über die Tafelberge und das gewundene Elbtal, jeweils nach einem kurzen bis mittleren Fußmarsch.

Der höchste Berg der Sächsischen Schweiz ist der Große Zschirnstein mit 561 Metern nahe Reinhardtsdorf. Sein langgestrecktes Plateau bietet bei klarer Sicht weite Blicke bis ins Osterzgebirge und in die Böhmische Schweiz. Wer grenznah unterwegs ist, sollte zudem die Obere Schleuse bei Hinterhermsdorf kennen – ein 1567 vom Kurfürsten für die Holzflößerei angestauter Talabschnitt, heute mit Kahnfahrten durch eine enge Felsenschlucht.

Als Pausenplätze taugen die Parkplätze an den großen Zielen und die Fähranleger, an denen ohnehin Wartezeit anfällt – dort steht man mit Blick aufs Wasser statt zwischen Reisebussen.

Zwei Ufernetze und das Scharnier bei Bad Schandau

Die erste Entscheidung einer Tagesrunde im Elbsandsteingebirge fällt nicht über die Strecke, sondern über die Uferseite. Der Fluss trennt zwei Straßennetze, die sich auf gut zwanzig Kilometern nirgends berühren. Rechts der Elbe hängen Pirna-Copitz, Lohmen, Stadt Wehlen, Rathen und Hohnstein zusammen und laufen nach Osten auf die Hochfläche um Sebnitz und Neustadt weiter. Links liegen der Talkorridor über Königstein und Krippen sowie das Hinterland um Gohrisch, Papstdorf, Reinhardtsdorf und Schöna, dazu das Bielatal, das nach Süden zur Grenze zieht.

Verbunden sind beide Netze im Kerngebiet an genau einer Stelle: der Elbbrücke in Bad Schandau. Dort wechselt auch die Talachse selbst das Ufer — sie kommt links über Königstein heran und läuft danach rechts des Flusses über Postelwitz nach Schmilka und zur Grenze. Wer flussaufwärts eine zweite Querung sucht, findet sie erst in Děčín, tief in Böhmen; flussabwärts erst wieder in Pirna. Ein verpasster Abzweig kostet hier selten fünf Minuten, sondern eine halbe Runde.

Die Fähranleger bei Wehlen, Rathen, Königstein, Bad Schandau und Schmilka markieren die Stellen, an denen sich die beiden Netze bis auf Sichtweite nähern. Für die Maschine sind es Endpunkte: abstellen, übersetzen, zu Fuß weiter. Selbst der Bahnhof von Bad Schandau liegt drüben in Krippen, während der Ort am rechten Ufer steht — ein brauchbarer Merksatz dafür, wie konsequent in diesem Tal alles an der Uferfrage hängt.

Auch der Fahrcharakter unterscheidet sich. Das rechte Ufer ist Waldland auf Hochflächen: kurze Ortsabstände, schmale Fahrbahnen, viele Stichstraßen, die vor dem Fels enden. Links wird es offener, Feldflur mit langen Sichtlinien, dazwischen die freistehenden Steine als Orientierungsmarken. Eine Runde, die beide Seiten mitnehmen will, läuft im Kern über Bad Schandau — alles andere ist ein Umweg über Pirna oder über Böhmen.

Kirnitzschtal: fahren neben dem Gleis

Die Talstraße der Kirnitzsch ist die einzige Straße, die tief in das Innere des Gebirges führt statt an seinem Rand entlang. Sie verlässt Bad Schandau nach Osten und folgt dem Bach zwischen Felswänden, mit wenig Gefälle, dafür in dichter Kurvenfolge. Das Besondere für Motorradfahrer ist der zweite Verkehrsträger im selben Talgrund: Die meterspurige Kirnitzschtalbahn teilt sich den engen Streifen zwischen Bach und Fels mit der Fahrbahn.

Das hat praktische Folgen. An den Haltestellen steigen Fahrgäste ohne erhöhten Bahnsteig direkt neben der Straße aus und queren sie anschließend. Gleisquerungen und Schienenstücke im Asphalt sind bei Nässe glatt, und im Tal bleibt es lange nass: Die Wände beschatten die Fahrbahn über weite Abschnitte, morgens steht die Feuchte im Grund, im Herbst kommt Laub- und Nadelfall dazu. Überholen lässt sich kaum, ausweichen noch weniger — wer hinter einem Wagen hängt, bleibt dort.

Wichtig für die Planung ist das Ende der Strecke. Das Tal führt nicht über die Grenze; hinter Hinterhermsdorf läuft der Verkehr aus, statt nach Böhmen durchzustoßen. Wer nicht denselben Weg zurückwill, steigt am Talschluss auf die Hochfläche und kehrt über Saupsdorf und Sebnitz zurück. Damit entsteht der typische Wechsel eines Tages hier: unten das feuchte, kühle Kerbtal mit Schrittgeschwindigkeit an den Ausflugszielen, oben trockene, offene Verbindungen mit deutlich mehr Fahrfluss.

Die Steine am linken Ufer als Wegmarken

Auf der linken Seite reihen sich die freistehenden Tafelberge wie Bojen entlang der Landstraßen. Über Struppen und Thürmsdorf stehen Rauenstein und Bärenstein, über Papstdorf liegen Papststein und Gohrisch dicht nebeneinander, weiter östlich folgen der Kleinhennersdorfer Stein und, hoch über Schöna, die beiden kleinen Kegel Zirkelstein und Kaiserkrone. Über Reinhardtsdorf zieht sich der lange Rücken der Zschirnsteine hin. Man navigiert in diesem Teil der Region weniger nach Schildern als nach Silhouetten.

Angefahren wird keiner dieser Gipfel. Geparkt wird im Dorf am Fuß, der Rest ist ein kurzer, aber steiler Anstieg über Stufen, Leitern und Sandsteinrinnen. Für die Tourenplanung heißt das: Wer in voller Montur unterwegs ist, wählt pro Tag ein oder zwei Steine aus, statt eine Kette abzuhaken. Der Papststein trägt eine Bergwirtschaft und eignet sich als Hauptstopp, die kleineren Kegel bei Schöna sind eher eine halbe Stunde Abstecher.

Rechts der Elbe funktioniert das anders. Dort steht der Sandstein nicht als Einzelberg, sondern als zusammenhängendes Massiv, und die Aussichten liegen entsprechend weiter im Gelände. Wer dort auf eine Kanzel will, plant eine echte Wanderung ein, nicht einen Stopp. Beim Abstellen im Dorf lohnt ein Blick auf den Untergrund: Viele Wanderparkplätze sind Schotter oder weiche Wiese, ein Stützteller unter dem Seitenständer erspart die Suche nach einem flachen Stein.

Böhmische Seite: Übergänge, Hochebene und der Schluckenauer Zipfel

Nach Süden und Osten endet das Revier nicht an der Grenze, sondern setzt sich im gleichen Gestein fort. Für die Maschine zählen dabei die Übergänge, und die liegen weit auseinander:

  • Schmilka – Hřensko im Elbtal, die direkte Fortsetzung der Talachse Richtung Děčín.
  • Sebnitz – Dolní Poustevna im Osten, das Tor in den Schluckenauer Zipfel.
  • Bahratal – Petrovice südlich von Berggießhübel auf der linken Seite, Anschluss Richtung Ústí nad Labem.

Hinter Hřensko steigt die Straße aus der Schlucht auf eine bewaldete Hochebene mit weit gestreuten Dörfern — Jetřichovice, Srbská Kamenice, Česká Kamenice, Chřibská, Krásná Lípa. Die Verbindungen sind lang, kurvig und deutlich schwächer befahren als alles auf der sächsischen Seite, der Belag wechselt dafür häufiger und abrupter. Ortsdurchfahrten ziehen sich, weil viele Dörfer als Straßendorf über Kilometer gestreckt sind.

Weiter nordöstlich schließt der Schluckenauer Zipfel an, jener tschechische Vorsprung, der auf drei Seiten von Deutschland umschlossen ist. Er lässt sich bei Sebnitz betreten und in Richtung Zittau wieder verlassen, was eine Rundtour ohne Rückweg ermöglicht. Děčín ist der andere Bezugspunkt: die einzige Stadt der Umgebung, in der die Elbe mehrfach mit dem Motorrad gequert werden kann — praktisch für alle Runden, die von der linken sächsischen Seite über Böhmen zurück ans rechte Ufer führen sollen.

Anschluss nach Osten und Westen: Zittauer Gebirge und Osterzgebirge

Das Elbsandsteingebirge ist als Standort größer, als es die eigenen Kilometer vermuten lassen, weil zwei weitere Mittelgebirge in Tagesreichweite liegen. Nach Osten führt der Weg über die Hochfläche von Sebnitz und Neustadt in die Oberlausitz, mit welligen Verbindungen über Sohland, Neusalza-Spremberg und Ebersbach — oder alternativ durch den Schluckenauer Zipfel. Ziel ist das Zittauer Gebirge: derselbe Sandstein, aber von Basaltkegeln durchsetzt, mit den Felsstädten um Oybin und Jonsdorf. Der Übergang bei Lückendorf nach Krompach ist die klassische Verbindung ins tschechische Lausitzer Gebirge, ein kurzer, aber ernsthafter Anstieg mit engen Kehren.

Nach Westen beginnt hinter Pirna das Osterzgebirge. Über Berggießhübel und Bad Gottleuba oder durch das Müglitztal mit Glashütte steigt das Gelände gleichmäßig an, bis um Altenberg, Geising und Zinnwald eine ganz andere Landschaft steht: lange Steigungen, offene Kammlagen, weite Kurvenradien statt Talenge. Am Kamm liegt der Übergang nach Cínovec, von dort öffnet sich die böhmische Seite Richtung Teplice.

Fahrerisch ergänzen sich die drei Reviere gut. Das Elbsandsteingebirge liefert kurze, dichte Etappen mit vielen Halten, das Zittauer Gebirge kompakte Kurvenstrecken auf kleinem Raum, das Osterzgebirge Höhe und Distanz. Zu bedenken ist die Höhenlage: Am Erzgebirgskamm beginnt die Saison später und endet früher als unten an der Elbe, Nässe und Nebel halten sich dort deutlich länger. Wer eine Woche plant, legt das Quartier sinnvollerweise im Elbtal an und fährt die Nachbargebirge als einzelne lange Tage — nicht umgekehrt.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Bastei mit Basteibrücke

Der bekannteste Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz: Die Sandsteinriffe fallen rund 190 Meter zur Elbe ab, über die Schlucht spannt sich die steinerne Basteibrücke von 1851 mit sieben Bögen.

Anfahrt
Von Lohmen über die Basteistraße bis zum Parkplatz Bastei; Zufahrt ab der B172 zwischen Pirna und Stadt Wehlen.
Motorrad-Parken
Großer bewirtschafteter Parkplatz Bastei mit Motorradstellflächen, von dort wenige Minuten zu Fuß bis zur Aussichtsplattform.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
305 m ü. NN, rund 190 m über der Elbe

Festung Königstein

Eine der größten Bergfestungen Europas auf einem Tafelberg über dem Elbtal; vom 9,5 Hektar großen Plateau reicht der Blick über den Elbbogen und die umliegenden Tafelberge.

Anfahrt
Von Königstein an der Elbe (B172) die Auffahrt zum Festungsplateau hinauf.
Motorrad-Parken
Bewirtschafteter Festungsparkplatz nahe dem Eingang; letzter Höhenmeter zu Fuß oder per Panorama-Aufzug.
Öffnungszeiten
April–Oktober 9–18 Uhr, November–März 9–17 Uhr; Eintritt kostenpflichtig
Höhe/Aussicht
Plateau 240 m über der Elbe, rund 360 m ü. NN

Prebischtor (Pravčická brána)

Das größte natürliche Sandsteintor Europas und Wahrzeichen der Böhmischen Schweiz: 26,5 Meter Spannweite bei 16 Metern lichter Höhe, hoch über den Wäldern der tschechischen Seite.

Anfahrt
Über die B172 nach Schmilka, Grenzübergang Hřensko (Tschechien); ab Hřensko oder Mezní Louka rund 5 km Wanderweg. Keine Vignette nötig – einspurige Fahrzeuge sind in Tschechien mautfrei.
Motorrad-Parken
Motorrad in Hřensko oder Mezní Louka abstellen, das Tor selbst ist nur zu Fuß erreichbar.
Öffnungszeiten
kostenpflichtiger Zugang; das Tor darf seit 1982 aus Erosionsschutz nicht mehr begangen werden
Höhe/Aussicht
Torbogen 16 m licht, 26,5 m Spannweite; Fernblick in die Böhmische Schweiz

Kirnitzschtal mit Lichtenhainer Wasserfall

Enges Kurvental entlang der Kirnitzsch: Die Kirnitzschtalbahn fährt seit 1898 auf Meterspur neben der Straße bis zum Lichtenhainer Wasserfall, dem klassischen Foto- und Rast-Stopp am Talende.

Anfahrt
Staatsstraße S165 von Bad Schandau flussaufwärts durch das Kirnitzschtal, Endpunkt Lichtenhainer Wasserfall.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Lichtenhainer Wasserfall sowie Stellflächen entlang der S165 im Tal.
Öffnungszeiten
frei zugänglich

Pfaffenstein mit Barbarine

Tafelberg mit einem der weitesten Rundblicke der Region; auf dem Plateau steht ein Aussichtsturm von 1904, an der Südflanke die 43 Meter hohe Felsnadel Barbarine.

Anfahrt
Über Königstein nach Pfaffendorf; ab dem Ort markierte Aufstiege aufs Plateau, unter anderem durch das enge Nadelöhr.
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz in Pfaffendorf am Fuß des Berges, Aufstieg anschließend zu Fuß.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
434 m ü. NN; Aussichtsturm 29 m hoch

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