Die erste Entscheidung einer Tagesrunde im Elbsandsteingebirge fällt nicht über die Strecke, sondern über die Uferseite. Der Fluss trennt zwei Straßennetze, die sich auf gut zwanzig Kilometern nirgends berühren. Rechts der Elbe hängen Pirna-Copitz, Lohmen, Stadt Wehlen, Rathen und Hohnstein zusammen und laufen nach Osten auf die Hochfläche um Sebnitz und Neustadt weiter. Links liegen der Talkorridor über Königstein und Krippen sowie das Hinterland um Gohrisch, Papstdorf, Reinhardtsdorf und Schöna, dazu das Bielatal, das nach Süden zur Grenze zieht.
Verbunden sind beide Netze im Kerngebiet an genau einer Stelle: der Elbbrücke in Bad Schandau. Dort wechselt auch die Talachse selbst das Ufer — sie kommt links über Königstein heran und läuft danach rechts des Flusses über Postelwitz nach Schmilka und zur Grenze. Wer flussaufwärts eine zweite Querung sucht, findet sie erst in Děčín, tief in Böhmen; flussabwärts erst wieder in Pirna. Ein verpasster Abzweig kostet hier selten fünf Minuten, sondern eine halbe Runde.
Die Fähranleger bei Wehlen, Rathen, Königstein, Bad Schandau und Schmilka markieren die Stellen, an denen sich die beiden Netze bis auf Sichtweite nähern. Für die Maschine sind es Endpunkte: abstellen, übersetzen, zu Fuß weiter. Selbst der Bahnhof von Bad Schandau liegt drüben in Krippen, während der Ort am rechten Ufer steht — ein brauchbarer Merksatz dafür, wie konsequent in diesem Tal alles an der Uferfrage hängt.
Auch der Fahrcharakter unterscheidet sich. Das rechte Ufer ist Waldland auf Hochflächen: kurze Ortsabstände, schmale Fahrbahnen, viele Stichstraßen, die vor dem Fels enden. Links wird es offener, Feldflur mit langen Sichtlinien, dazwischen die freistehenden Steine als Orientierungsmarken. Eine Runde, die beide Seiten mitnehmen will, läuft im Kern über Bad Schandau — alles andere ist ein Umweg über Pirna oder über Böhmen.